Ich arbeite, also bin ich!?

STOP-Schrift auf dem Boden

Wir alle haben im Bekannten- oder Freundeskreis diese Person, bei der es mit der viel zitierten Work-Life-Balance einfach nicht klappen will: Immer am Telefon, ständig beim Abarbeiten von To Do-Listen und für gemeinsame Unternehmungen erst zu haben, „wenn es wieder weniger stressig ist“. Dumm nur, dass dieser Zeitpunkt nicht kommt, denn Workaholics ziehen von einer Herausforderung zur nächsten. Oft, weil Leistung zur emotionalen Ersatzhandlung oder selbst zur Antwort auf die Sinnfrage geworden ist.

Das Muss macht den Unterschied

Unser Tun ist fest mit Werten und Perspektiven verbunden. Arbeit (egal ob beruflicher oder privater Natur) kann uns also Sinn geben und erfüllen. Wir erleben dann, was der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi als Flow beschreibt: Freude am Prozess durch vollkommene Versenkung in eine Tätigkeit. Dieser Zustand hat mehr mit Muße zu tun als mit geschäftiger Getriebenheit.

Was wir als problematische Arbeitswut wahrnehmen, ist ein gänzlich anderes Phänomen. Es beginnt dort, wo das kleine Wörtchen „muss“ ins Spiel kommt: Denn es signalisiert, dass uns nicht die Tätigkeit selbst ans Tun fesselt, sondern Ansprüche und Motive, die wir in unserem Inneren tragen. Sie halten uns unablässlich in Bewegung, jagen uns von einem Projekt zum nächsten und machen aus dem viel mitunter ein zu viel.

Wer bin ich, wenn ich nichts tue?

Wo Leistung selbst zum Lebenssinn wird, sollten wir genau hinsehen. Denn wenn wir beginnen, innere Leeren durch Tun zu überlagern oder gar zu füllen, sind Motive am Werk, die es wert sind, beachtet zu werden. Wann immer wir uns als Getriebene in einem Hamsterrad wahrnehmen, sollten wir uns also fragen:

  • Wie steht es um meinen Selbstwert? Fühle ich mich als Mensch geschätzt oder nur ob meiner Leistungsfähigkeit?
  • Welche Ängste, Kränkungen und (ererbte) Klischees begleiten mich, wenn ich ans Tun denke?
  • Warum erlaube ich mir keine Verschnaufpausen? Sind Muße und Ruhe für mich positive Werte? Und wenn nein: Warum nicht?
  • Inwiefern ist meine Arbeit ein Mittel dafür, Beachtung, Anerkennung oder sogar Liebe zu erfahren?

Nehmen Sie sich für die Beantwortung dieser Fragen ein wenig Zeit und versuchen Sie, die Situation aus der Vogelperspektive zu betrachten. Wie rastlos sind Sie gerade? Was fehlt Ihnen, um zur Ruhe zu finden? Und wie oft haben Sie heute schon „muss“ gesagt?

 

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