GASTBEITRAG: Job, Kinder – oder beides?

Mutterschaft: Job, Kinder - oder beides? Ein Gastbeitrag

Mutterschaft ist ein gewichtiges Thema, das Frauen unmittelbar mit gesellschaftlichen Zwängen, eigenen Ansprüchen und den Rollen-Erwartungen ihres Umfelds konfrontiert. Um die Vielschichtigkeit dieser lebensverändernden Entscheidung zu verdeutlichen, habe ich junge Frauen gebeten, ihre Sicht auf das Thema anonym in Gastbeiträgen zu vermitteln. Sie laden dazu ein, über eigene Muster und Denkweisen zu reflektieren:

Ich habe mich entschieden… eine eigene Familie zu gründen. Das war vor fast fünf Jahren und ich habe es nicht bereut, auch wenn es finanziell ohne Kinder leichter wäre. Es stimmt schon, dass es in unserem Land Unterstützung für Familien gibt und doch ist die Entscheidung für Kinder ein finanzieller Einschnitt, vor allem, wenn man länger als ein Jahr in Karenz geht.

Ich habe in meiner ersten Karenz gemerkt, wie die Abhängigkeit von meinem Partner, der erwerbstätig ist, zunimmt. Zum Glück gab es diesbezüglich nie Streit, weil ihm klar war, was ich in dieser Zeit leiste. Das ist nicht selbstverständlich, denn in unserer Gesellschaft ist oft nur erfolgreich, wer im Job erfolgreich ist.

„Ich finde es mutig, heutzutage Kinder zu bekommen.“, sagt eine liebe Freundin zu mir und ich will ihre Aussage schon relativieren, während mein zweites Kind, mit knapp einem Jahr, an ihrer Hose zupft, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich überlege und denke, dass sie eigentlich Recht hat. Kinder zu bekommen, ist schon auch mutig. Nicht nur, dass man sein bekanntes, kontrolliertes, finanziell sicheres Terrain verlässt, man wird auch ständig mit anderen Herausforderungen konfrontiert, als man denkt. Alle, die in den letzten Jahren einen Kindergartenplatz gesucht haben, wissen, wovon ich spreche.

Natürlich lässt sich das Leben ohne Kinder nicht unbedingt besser planen, aber die Konsequenzen treffen nicht mehr nur mich selbst und möglicherweise den Partner, sondern auch die jungen Menschen, für die wir Sorge tragen. Bewusst wurde mir das, als eine Bekannte mir anvertraute, sie hätte kein zweites Kind bekommen, wenn sie gewusst hätte, dass ihr Mann während ihrer Karenzzeit den Job verlieren würde. Die vierköpfige Familie verzichtet auf Auto, Urlaub und den Kinderturnkurs, weil Lebensmittel und Herbstschuhe für die Kinder Priorität haben. Mich stimmt es traurig, dass sie selbst den Kinderkurs nicht mehr besuchen werden, denn Teilhabe am sozialen Leben ist wichtig für alle Menschen. Auf meine Frage, ob ich etwas für sie tun kann, beschwichtigte sie die Familiensituation. Sie meinte, es sei nicht so schlimm, anderswo auf der Welt, gibt es viel ärmere Menschen.

Sie hofft, dass sie diese schwierige Zeit durchtauchen und wieder einen anderen Lebensstil erreichen kann. Das wünsche ich der sympathischen Familie, denn auch ohne finanzielle Engpässe hat das Leben mit Kindern genügend Herausforderungen zu bieten.

In diesem Sinne alles Gute all den mutigen Müttern, Töchtern und Frauen die ihren eigenen Weg gehen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Wenn ihr den Weg mal nicht erkennt oder alleine nicht weiterkommt, habt den Mut, euch Unterstützung zu holen.